Tschernobyl - 19 Jahre später

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Ulm, 26.04.2005 - In einem Test sollte festgestellt werde, ob beim Ausfall des Reaktors die Restlaufzeit der Turbine ausreicht, um die Notstrom-Dieselaggregate hochzufahren und so eine permanente Stromversorgung der wichtigsten Anlagen des Kraftwerks sicherzustellen. Bei diesem Test kam der Reaktorblock 4 des AKW Tschernobyl jedoch in einen 'kritischen' Zustand; Gründe waren menschliches Versagen und grobe Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften. So waren z.B. jegliche Sicherheitssysteme bewusst deaktiviert worden. Am 26.04.86 umd 1:23:40 Uhr Ortszeit wollte das Personal den Reaktor abschalten. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt der Unfall wohl nicht mehr zu vermeiden gewesen wäre, genau dieser Knopfdruck führte endgültig zur Katastrophe. Die Steuerstäbe wurden zum Abschalten in den Reaktor gefahren, verklemmten sich aber auf Grund der großen Hitze die schon im Reaktor herrschte. Es kam zu einer enormen Temperatursteigerung, es entstand Wasserstoff und um 1:24 Uhr explodierte der Reaktor.

Zwei Tage später wurde in Schweden, Norwegen und Finnland erhöhte Radioaktivität gemessen. Erst am Abend dieses Tages meldete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS, dass es in Tschernobyl einen Unfall gegeben habe. Es seien Menschen zu Schaden gekommen. Maßnahmen zur Beseitigung der Folgen des Unglücks seien eingeleitet worden. In Deutschland erfolgte die erste offizielle Meldung, dass es in der Sowjetunion einen ernsten Reaktorunfall gegeben habe erst am 29. April. Eine Gefährdung der bundesdeutschen Bevölkerung wurde vom Bundesinnenminister ausgeschlossen. Erst am 3. Mai 1986 warnten die deutschen Behörden erstmals vor den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe.

Und heute? Der Sarkophag um den zerstörten Reaktor, der nach dem Unfall hastig errichtet wurde muss erneuert werden. Nach unterschiedlichen Quellen beträgt seine maximale Lebensdauer zwischen 20 und 30 Jahren. Die Konstruktion eines neuen Sarkophags gestaltet sich aber schwierig, da die Strahlung am Reaktor so groß ist, dass dort nicht gearbeitet werden kann. Deswegen soll die Konstruktion abseits des Reaktors gefertigt und dann darüber geschoben werden. Aber auch dies ist kein leichtes Unterfangen, da die Stahlhülle ein Gewicht von etwa 20 000 Tonnen haben soll. Der Zeitplan zur Sanierung musste immer wieder verschoben werden.

Gleichzeitig wird in Deutschland weiter fleißig Atommüll produziert. Das Restrisiko einer Reaktorkatastrophe ist auch hier gegeben, und wie der strahlende Müll sicher gelagert werden soll kann bis heute niemand beantworten. Deswegen ist es wichtig, zuerst die Müllquelle zu schließen. Ein Umstieg auf regenerative Energiequellen ist möglich, er muss jetzt aber vorangetrieben werden. Während auf der einen Seite technische Lösungen gefunden werden müssen, muss aber auch der Verbraucher in die Pflicht genommen werden: Energie sparen ist noch besser, als das Nutzen von regenerativen Energiequellen. Und Energie sparen ist auch auf einfache Weise in wohl jedem Haushalt noch möglich.

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