Mehr Platz für Radfahrer

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Brüssel, Mailand, Berlin – und bald auch Ulm? In immer mehr Städten wird der Platz auf der Straße neu verteilt. Denn in Zeiten von Corona steigen viele Bürger aufs Fahrrad um. Zumindest wollen viele umsteigen, doch die Bedingungen dafür sind oftmals einfach zu schlecht. Es gibt keine oder nur sehr schlechte Radwege, Baustellen und Engpässe und im Vergleich weit mehr Platz für den Autoverkehr. Gerade jetzt, wenn das alltägliche Leben mehr und mehr zurückkehrt, muss es umweltverträgliche Wege geben, um von A nach B zu kommen.

Ungünstig ist jetzt, dass die öffentlichen Verkehrsmittel, deren Nutzung für eine Mobilitätswende so wichtig wären, kaum noch genutzt werden, weil sich keiner bei anderen Fahrgästen anstecken will. Dadurch könnten allein in den deutschen Metropolen die mit dem Auto zurückgelegten Personenkilometer um bis zu 20 Milliarden pro Jahr steigen. Die Folge wären zusätzliche drei Millionen Tonnen an CO2-Emissionen. „Damit Corona nicht auch die Verkehrswende infiziert, müssen Städte jetzt mehr Platz für Radfahrende und Fußgänger schaffen“, sagt Greenpeace-Verkehrsexpertin Marion Tiemann.

Eine einfache Lösung sind sogenannte Pop-up-Radwege. Dabei wird die rechte Spur einer mehrspurigen Autostraße mit Pylonen abgetrennt und für Radfahrende geöffnet. Städte können auf Basis der bundesweit geltenden Straßenverkehrsordnung solche Umwidmungen vornehmen. Die Greenpeace-Gruppe Ulm/Neu-Ulm will gemeinsam mit dem ADFC und Fridays for Future solche Radwege in Ulm anlegen.

Weil die Vorbereitung dafür allerdings einige Zeit in Anspruch nimmt und einzelne neue Radwege noch nicht die Lösung sind, hat der ADFC schon jetzt zehn Vorschläge für eine fahrradfreundlichere Stadt zusammengestellt. Außerdem haben die Aktiven von Fridays for Future einen offenen Brief zur Mobilitätswende verfasst. Ihre Forderung: „Bürgerinnen und Bürger, die jetzt zum Schutz ihrer Gesundheit aufs Rad umsteigen, brauchen sichere und leicht erkennbare Wege. Auch zu Fuß gehende Menschen brauchen dringend mehr Platz auf den Gehwegen, um den Sicherheitsabstand einhalten zu können.“ Sowohl die Vorschläge als auch den Brief hat Ulms Bürgermeister Tim von Winning nun überreicht bekommen.

Alle drei beteiligten Ortsgruppen hoffen darauf, dass die Stadt schnell reagiert und sich für einen umweltfreundlichen Verkehr stark macht. Die Städte haben es jetzt in der Hand, zu entscheiden, ob der CO2-Ausstoß enorm ansteigt und die Straßen mit Autos verstopft sein werden, oder ob der richtige Weg eingeschlagen wird: der mit mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger.

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